Penismusem

Onanie - Allgemeines

Viele Bezeichnungen - eine Bedeutung?

Für das Wort "Selbstbefriedigung" fallen wohl jedem auf Anhieb auch andere mehr oder wenige seriöse Bezeichnungen ein. Wir wollen versuchen, die Herkunft von zwei häufig benutzten Synonyme zu (er)klären.

Der Begriff Onanie ist aus einer biblischen Geschichte abgeleitet. Im 1. Buch Mose ist in Kapitel 38, Vers 6 und folgende, nachzulesen: "Und Juda gab seinem ersten Sohn Er eine Frau, die hieß Tamar. Aber Er war böse vor dem Herrn, darum ließ ihn der Herr sterben. Da sprach Juda zu Onan: Geh zu deines Bruders Frau und nimm sie zur Schwagerehe, auf daß du deinem Bruder Nachkommen schaffest. Aber da Onan wußte, daß die Kinder nicht sein eigen sein sollten, ließ er's auf die Erde fallen und verderben, wenn er einging zu seines Bruders Frau, auf daß er seinem Bruder nicht Nachkommen schaffe. Dem Herrn mißfiel aber, was er tat, und er ließ ihn auch sterben." Um es etwas verständlicher zu formulieren: Onan sollte die Rolle seines Bruders übernehmen und mit seiner Schwägerin Kinder zeugen, die nach dem Gesetz die Kinder seines verstorbenen Bruders gewesen wären. Es war ihm ein Dorn im Auge, dass er Kinder zeugen sollte, die ihm nicht gehören und mit deren Arbeitskraft er nicht rechnen konnte. Onan vollzog den Geschlechtsverkehr mit seiner Schwägerin und zog kurz vor der Ejakulation den Penis aus der Scheide - ein coitus interruptus. Es ist offensichtlich, dass der aus dieser Geschichte abgeleitete Begriff eigentlich nichts mit Selbstbefriedigung zu tun hat. Erst im Laufe der Geschichte hat sich die Bedeutung des Begriffs im heutigen Sinne ergeben, denn die "Verschwendung" des Samens ist ja auch eine zwangsläfige Folge der Selbsbefriedigung.

Das zweite oft verwendete Wort, Masturbation, stammt aus dem Griechischen. Es ist von "mazdo turba" abgeleitet und bedeutet soviel wie "Erregung des männlichen Gliedes". Auch dieser Begriff trifft in der ursprünglichen Bedeutung nicht den Kern - schließlich wird auch beim Geschlechtsverkehr das Glied erregt. Neben diesen beiden Begriffen wird, wie oben schon erwänt, noch eine Vielzahl weiterer Bezeichnungen verwendet, z.B. wichsen, abrubbeln, sich einen runterholen, melken usw.

Wechselbad der Geschichte

Bereits in der Schöpfungsgeschichte der alten Ägypter findet sich ein Beitrag zum Thema Masturbation. Gegen seine Einsamkeit schuf der Sonnengott Re-Atum göttliche Nachkommen: seinen Sohn Schu, den Gott der Luft und der Trockenheit und seine Tochter Tefnut, die Göttin der Feuchtigkeit: "Ich stieß meinen Phallus in meine geschlossene Hand, bis sie mit Samen gefüllt war. Diesen führte ich in meinen eigenen Mund. Ich entleerte mich der Form der Schu, ich ließ Wasser in Gestalt der Tefnut." Die Selbstbefriedigung galt bei den Griechen der Antike als ein natürliches Bedürfnis. Bei ihrer Auffassung des Geschlechtlichen hielten die Griechen die Masturbation für ein durchaus natürliches, das heißt von der Natur selbst eingerichtetes Ventil, dass dazu bestimmt ist, bei fehlender Möglichkeit normalen Geschlechtsverkehrs sexuelle Spannung auszugleichen und dadurch das harmonische Gleichgewicht wiederherzustellen. Dem Juvenal können wir entnehmen, dass Schüler die Langeweile einer Unterrichtsstunde sich durch das Spiel ihrer Hände unter der Schulbank zu verkürzen wußten. Onanieren in der Öffentlichkeit war zwar nicht alltäglich, aber auch nicht unbedingt ein Stein des Anstoßes. Über Diogenes von Sinope ist hierzu eine Geschichte überliefert. Er scheute sich nicht, am hellichten Tag auf offenem Markt Hand an sich zu legen und sich sexuelle Entspannung zu verschaffen. Auf die Frage der Zuschauer, weshalb er sich so verhalte, meinte er ganz trocken: "Ich wünschte, ich könnte auch meinen Bauch so reiben, dass ihm der Hunger verginge."

Im 18. und 19. Jahrhundert sowie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts galt Selbstbefriedigung lange als krankhaft. Deswegen, und nicht zuletzt auch aus religiösen Gründen, wurde gegen die Selbstbefriedigung, insbesondere von Jugendlichen, angekämpft. Oft wurden den Jugendlichen die Hände oberhalb der Bettdecke fixiert oder sie wurden angehalten, die Hände nicht unter die Decke zu legen. Ihnen wurde mit Krankheiten wie Rückenverkrümmungen, geistiger Verblödung, Tuberkulose und ähnlichem gedroht. Einer der Hauptverantwortlichen für diesen Unsinn war wohl der französische Arzt Samuel-Auguste Tissot (1728-1797), der sich in seiner Dissertation über die durch die Selbstbefriedigung hervorgerufenen Erkrankungen verbreitete.

In den USA wurden noch Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Patente für Anti-Onaniergeräte eingereicht. Auch der deutsche Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber hat seine Kinder mit solchen Geräten malträtiert - vier seiner Kinder endeten in der Psychiatrie. Auch Erwachsene blieben von diesen Auswüchsen nicht verschont. Zum Schutz gegen nächtliche Versuchungen gab es sogenannte "Spermatorrhöe-Verbände" und kleine Drahtkäfige, die um den Penis gelegt wurden, um eine Erektion zu verhindern.

Erst mit dem berühmten Kinsey-Report, der vom amerikanischen Biologen Alfred Charles Kinsey 1948 und 1953 veröffentlicht wurde, kehrte eine etwas entspanntere Betrachtungsweise ein. Heute gilt Selbstbefriedigung als das, was sie ist - etwas selbstverständliches.

Selbstbefriedigung - wie oft?

Einfach Frage - einfach Antwort: so oft man(n) Lust hat. Jeder zwanzigjährige Mann, der auf eine normale körperliche Entwicklung zurückblicken kann, wird aus eigener Erfahrung bestätigen können, dass die alte Regel "1000 Schuss - und dann ist Schluss" nicht ganz zutreffend ist.

Natürlich gibt es auch zur Frage der Häufigkeit offizielle Daten. Laut dem Kinsey-Report onanieren 88 Prozent aller verheirateten Männer im Alter zwischen 16 und 20 Jahren regelmäßig. Mehr als die Hälfte der Männer (55 Prozent) onanieren auch noch im Alter von 50 Jahren. Verheiratete Männer onanieren am häufigsten im Alter von 21-25 Jahren. Ein interessantes Detail: Onanie ist bei Akademikern am weitesten verbreitet und bei Unverheirateten zwischen 16 und 20 Jahren onanieren College-Studenten etwa doppelt so häfig wie gleichaltrige mit Volksschulabschluß.

Eine Studie zur Lage der Jugend in Österreich kommt zum Ergebnis, dass 27% der 11- bis 14-jährigen Jungen schon Selbstbefriedigung praktiziert haben, andererseits verneint mehr als die Hälfte der 14 - bis 17-jährigen, überhaupt schon einmal onaniert zu haben. Auf die direkte Frage nach dem Alter, als sie sich das erste Mal selbst befriedigten, ergab sich ein Durchschnittsalter von 13. Jahren.

Was sagt das Gesetz?

In westlichen Ländern ist die Onanie nicht strafbar. Aber sobald sie öffentlich ausgeführt wird, kommt man in Konflik mit § 183a StGB und kann wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses bestraft werden. Wird Onanie vor Kindern vollzogen, ist nach § 176 StGB der Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern erfüllt, der mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet werden kann.